Dienstag, 20. Oktober 2009

Adelbert von Chamisso

Berlin, im Oktober 2009

Ein kalter Hauch durchschauert den einsamen Wanderer, der seine Schritte durch ein weißes Nichts lenkt. Nebel. Der Blick sucht verzweifelt nach einem Halt in dieser undurchdringlichen Wand. Plötzlich ein Schrei . . . Angst kriecht in den nassen Mantel. Wo war nur der Ausgang in diesem Irrgarten?

Horror

Halt. Damit Ihnen dieses Erlebnis nicht widerfährt, besuchen Sie diesen Friedhof nur bei gutem Wetter - und das lohnt sich.

In Berlin-Kreuzberg auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde (Eingang Bergmannstraße) liegt die Grabstätte von Adelbert von Chamisso.

Auf Schloss Boncourt bei Ante, in der Nähe von Chalons-en-Champagne, wurde 1781 Louis Charles Adelaide de Chamissot geboren. Er nannte sich später Adelbert von Chamisso. Als vierter Sohn von sieben Kindern erblickte er das Licht der Welt. Sein Vater Graf Louis Marie de Chamissot gehörte dem verarmten Landadel an und die Familie war elf Jahre nach Adelberts Geburt gezwungen, vor den Revolutionsheeren zu fliehen. Zuerst ging es durch die Niederlande und Süddeutschland, bis sie sich 1796 in Berlin niederließen.

Friedas Sklave

Adelbert wurde zunächst Page bei Luise Friederike von Preußen, dann leistete er seinen Militärdienst als preußischer Offizier ab. 1801 wurde er Leutnant und kam - nach der Kapitulation der Stadt Hameln vor Napoleons Truppen - nach Frankreich in Gefangenschaft. 1807 endete diese Schmach und er schied aus dem Armeedienst aus.

Interessant: In den Jahren 1815 bis 1818 nahm er als Naturwissenschaftler an einer Weltumsegelung teil. Dabei entdeckte er vor der Küste Alaskas eine bis dato unbekannte Insel, die seit dieser Zeit den Namen Chamisso-Insel trägt. Und noch eine Kuriosität: Der Name des beliebten Kleidungsstücks Parka geht ebenso auf ihn zurück. Dieser Begriff wurde in seinem Buch "Reise um die Welt" das erste Mal erwähnt.

Frauenliebe

Adelbert von Chamisso starb am 21. August 1838 in Berlin. Jahre später erlangte er auch als Dichter Beachtung: Robert Schumann vertonte seinen Gedichtszyklus "Frauenliebe" auf kongeniale Weise . . .

Besuchen Sie den sehenswerten Chamissoplatz in Kreuzberg und spazieren Sie danach zum Grab des großen Dichters und Gelehrten auf dem oben erwähnten Kreuzberger Friedhof. Aber bitte nicht bei Nebel!